Premiere: Fr, den 14. September 2012 um 20 Uhr im Internationalen Theater Frankfurt


MEDEA Euripides
MEDEA. STIMMEN Christa Wolf

 

Wir widmen unsere Produktion der großartigen unvergesslichen Frau und Schriftstellerin: Christa Wolf. Kurz vor ihrem Tod ließ uns die schwerkranke Christa Wolf über den Kiepenheuer Verlag sehr persönliche Grüße ausrichten: „Leben sie gut! Spielen sie gut!“

   

„Medea“ von Euripides

Medea Kristin Erlei
Jason Gabriele Giersiepen
Chor der Korintherinnen Hannah Gudrich, Angelika Löfflat, Monika Roth, Marlene Witwer
Amme Angelika Löfflat
Kreon Karin Flaake
Aigeus Hannah Gudrich
   

„Medea. Stimmen“ von Christa Wolf

Medea Angelika Löfflat
Leukon Hannah Gudrich
Jason Karin Flaake
Agameda Gabriele Giersiepen
Glauke Marlene Witwer
   
Regie + Textfassungen Regina Busch
Sound Frank Marheineke
Licht Jan Hartmann

Ein Doppelabend

setzt die erste schriftliche Niederlegung der überlieferten Geschichte „Medea“ von Euripides neben eine der aktuellsten, „Medea.Stimmen“ von Christa Wolf.

Euripides „Medea“ ist auf eine Spieldauer von 50 Minuten gekürzt und beginnt mit Medeas Verbannung am Hofe Kreons bis hin zu ihrer Erlösung nach dem Mord an ihren beiden Söhnen. Mit diesem Teil beginnen wir auch den Abend. Das Motiv der gekränkten Gattenliebe und des dadurch veranlassten Kindermordes ist eine Erfindung von Euripides und ursprünglich nicht Teil der Argonautensage. Und ist auch der Grund und der Anlass für Christa Wolf gewesen, Euripides Medea umzudeuten und sein Bild Medeas mit ihrem Werk zu revidieren.

Wolfs „Medea. Stimmen“ bildet den zweiten Teil, ist mit 1 Stunde und 20 Minuten befasst sich mit der Vorgeschichte Medeas in Kolchis bis zu ihrer Verbannung in Korinth. Wolf bezieht sich in ihrem Werk explizit auf Euripides Fassung: ihre Medea, eine ungewöhnliche, starke und selbstbestimmte Person, wird in Korinth Opfer von Intrigen. Sie bringt nicht  ihre eigenen Kinder um. Vielmehr werden die Kinder von den Korinthern gesteinigt und ein in Umlauf gebrachtes Gerücht gibt Medea die Schuld an dem Tod ihrer Kinder, weshalb sie allen bis in die Ewigkeit als Kindsmörderin im Bewusstsein bleibt. Auch bringt sie nicht Kreons Tochter um, vielmehr bewundert Glauke die Medea und nimmt sich nach deren Verbannung selbst das Leben.

Im ersten Teil erfahren wir Euripides Version Medeas, die uns als so überliefert erscheint und die auch allen bekannt ist. Die Handlung ist im Hier und Jetzt und wir sind Zeuge der Geschehnisse. Die Situationen  und Positionierungen sind statisch, genau so starr und verkrustet wie die Gesellschaft in Kreons Königreich Korinth.

Im zweiten Teil sind alle Figuren bereits tot und im Zwischenreich angekommen. Sie haben also alle nichts mehr zu verlieren und können sich zu den Geschehnissen in Korinth offen positionieren und äußern, denn sie sind nun unverletzbar. Die Figuren bewegen sich wie in einem Kosmos mit verschiedenen Umlaufbahnen umeinander. Kreisen umeinander. Mal kreuzen sich ihre Wege und dann sind sie wieder sehr weit voneinander entfernt. Sie sind in fast stetiger Bewegung. Ein Sonnensystem, in sich geschlossen und zueinander positioniert und innerlich wie äußerlich sehr bewegt. Wir erleben die Reflexionen der Figuren und ihr Innenleben zu den Geschehnissen in Kolchis und Korinth. Wir erleben das Innenleben der Figuren und ihre Reflektionen zu den Geschehnissen in Kolchis und Korinth.

Um es in Medeas Worten auszudrücken: „Der Schein trügt!“

 

MEDEA von Euripides

(431 v. Chr.) ist eine Tragödie des griechischen Dichters Euripides und basiert auf der Argonautensage des griechischen Mythos. Die Königstochter Medea wird von ihrem Mann Jason, für den sie ihre eigene Familie zurückgelassen und verraten hatte, verstoßen. Denn Jason will nun König Kreons Tochter Kreusa ehelichen. Medea rächt sich grausam an ihm und schickt der Königstochter als Hochzeitsgeschenk ein vergiftetes Kleid und ein vergiftetes Diadem. Durch diese tödlichen Geschenke sterben die Königstochter und der ihr zu Hilfe eilende Vater. Anschließend tötet Medea ihre Söhne, um Jason noch tiefer zu treffen. Nach der Tat flieht sie auf einem mit Drachen bespannten Wagen, den ihr Großvater, der Sonnengott Helios, ihr geschickt hat. Ihr Ziel: Aigeus, König Athens, dessen Asyl sie sich zuvor gesichert hatte.

 

MEDEA. STIMMEN von Christa Wolf

Als Frau des Argonauten Jason lebt Medea in Korinth, wohin sie ihm aus ihrer Heimat Kolchis gefolgt ist. Im königlichen Palast Korinths gerät sie in ein Spiel aus Verleumdungen, Intrigen und Lügen. Der Kampf um die Macht steht im Mittelpunkt, und Medea soll als Sündenbock geopfert werden.

Die Medea der griechischen Tragödie, die Barbarin, die Giftmischerin, die rachsüchtige Mörderin – hier wird diese Figur aus dem jahrtausendealten Mythos gelöst, das überkommene Bild revidiert. Christa Wolfs Portrait einer eigenwilligen, ungewöhnlichen Frau wurde in alle Weltsprachen übersetzt und erfuhr zahlreiche Bearbeitungen für die Bühne.

„Ein mutiges, scharfsinniges, brillantes und notwendiges Buch.“ Margaret Atwood

Aufführungsrechte Gustav  Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH Berlin

 

Euripides

(griech. Εὐριπίδης) wurde 480 v. Chr. oder 485/484 v. Chr. in Salamis geboren und starb 406 v. Chr. in Pella, begraben wurde er in Makedonien. Er ist einer der großen klassischen griechischen Dramatiker und nach Aischylos und Sophokles der jüngste der drei großen Dichter griechischer Tragödien. 18 seiner etwa 90 Tragödien sind erhalten und ein Satyrspiel überliefert. Euripides ist einer der am meisten gespielten Dramatiker der Weltliteratur.

 

Christa Wolf

Wurde 1929 geboren in Landsberg/Warthe und heiratete 1951 den Schriftsteller Gerhard Wolf. Ihren ersten großen Erfolg erzielte sie 1962 mit dem Roman "Der geteilte Himmel", der sich mit der Problematik des geteilten Deutschlands auseinandersetzt. 1976 zog sie  endgültig nach Berlin. Ihre Etablierung im Literaturbetrieb erreichte Christa Wolf 1968 mit der Erzählung "Nachdenken über Christa T". Darin wird der Konflikt zwischen der historischen Entwicklung der Gesellschaft und den individuellen Ansprüchen der Protagonistin geschildert. 1974 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste der DDR und ab 1981 auch Mitglied der gleichnamigen Akademie in West-Berlin. 1976 war sie Mitinitiatorin des Protestes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Seit 1978 führten sie Gastvorträge in die USA, Schottland, Italien, Schweiz und Bundesrepublik Deutschland.

Sie erhielt für ihre literarische Werke zahlreiche Preise und Auszeichnungen im In- und Ausland, darunter den Heinrich-Mann-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Thomas Mann Preis und den Uwe-Johnson-Preis.

Ihr Werk „Medea. Stimmen“ erschien 1996 im Kiepenheuer Verlag.

Sie verstarb nach langer und schwerer Krankheit 2011 in Berlin.

 

Leitung und Kontakt:

Regina Busch
Mörfelder Landstr. 64
60598 Frankfurt 
069 / 94 50 84 19